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Oleg Derkach ist Weltmeister im Judo PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: VfL Lüneburg   
Donnerstag, 04. Juni 2009 um 16:11

Manchmal werden die kühnsten Träume von der Wirklichkeit sogar noch übertroffen. Oleg Derkach, ohnehin schon überaus erfolgreicher Kampfsportler des VfL Lüneburg, wollte bei einer Judo-Weltmeisterschaft gerne noch einmal aufs Podest, jetzt kehrte der 40-Jährige von den Titelkämpfen der Ü 30 sogar mit Gold in der Kategorie M 3 (40 bis 44 Jahre) und Gewichtsklasse bis 100 kg aus Sindelfingen zurück.

Mehrfacher deutscher Meister im Judo und Sambo, Europameister in beiden Sportarten, Weltmeister im Sambo, dazu jeweils weitere Medaillenplätze: Derkach hat auf der Matte schon fast alles abgeräumt, was abzuräumen ist. Und nun also Judo-Weltmeister, der Titel, der noch fehlte. "Es ist alles optimal gelaufen, ich habe auch viel Glück gehabt", blickt Derkach in der ihm typischen Bescheidenheit zurück.

 

Schon bei der Anreise deutete sich an, dass das seine Titelkämpfe werden könnten. Während Derkach gerade noch vor einem Mega-Stau bei Stuttgart durchrutschte, verbrachten viele Kämpfer Stunden auf der Autobahn und erschienen zu spät zur Zeremonie des Wiegens. Am nächsten Morgen erwischte er für den Auftaktkampf ein Freilos. "Dieses Glück hatte ich erstmals in meiner Karriere."

Nebeneffekt: Seinen ersten Gegner Silvio Araujo (Brasilien) konnte er gegen Craig Curtis (Großbritannien), den Dritten der letzten EM, schon einmal in Augenschein nehmen. Derkach und der Brasilianer kassierten zunächst je eine Verwarnung wegen Passivität, Araujo wurde noch einmal so bestraft, der Lüneburger erzielte eine mittlere Wertung - der Einzug ins Halbfinale gegen den früheren Weltmeister Oleg Urusov (Russland).

Auch hier belauerten sich die Kontrahenten lange, warteten auf einen Fehler des anderen - Unentschieden nach Ablauf der Kampfzeit. Die Kampfrichter entschieden sich mit 3:0 für Derkach. "Ich war ziemlich überrascht. Sonst hatte ich das Glück nie auf meiner Seite", blickt er auf den Einzug ins Finale gegen Todor Todorov (Bulgarien), EM-Zweiter 2008 in Prag, zurück. Und dieses Finale beendete der Lüneburger nach 1:35 Minuten vorzeitig, als er einen versuchten Schulterwurf seines Gegners mit einem Würgegriff erfolgreich konterte.

"Es war schon toll, als die Siegerhymne für mich gespielt wurde", strahlt Derkach beim Erzählen, "die Krönung meiner Laufbahn." Bei seiner bisher einzigen Judo-WM war er 2004 in Wien Dritter geworden. "So eine Veranstaltung kann ich mir aus finanziellen Gründen nur leisten, wenn sie nicht zu weit weg stattfindet." Beeindruckt war er auch von der erstklassigen Organisation und der Stimmung im 2003 modernisierten und an allen Tagen gut besuchten Glaspalast Sindelfingen: "So stellt man sich eine WM vor."

Ganz beiläufig kommt Derkach dagegen darauf zu sprechen, dass er seinen Triumph mit gleich drei Handicaps errungen hat. Im März kugelte er sich die Schulter aus, die Verletzung ist noch nicht ganz verheilt. Im Auftaktkampf in Sindelfingen holte er sich eine Leistenzerrung. Und mit der rechten Hüfte hat er schon seit zwei Jahren Probleme. "Das ist zuletzt wieder schlimmer geworden. Nächstes Jahr muss ich operiert werden, bekomme ein künstliches Gelenk", erzählt der 40-Jährige, als wenn es sich bei der Verletzung um einen blauen Fleck handeln würde.

Denkt Derkach deshalb, und weil es der Höhepunkt seiner Laufbahn ist, ans Aufhören? "Die Operation bedeutet, acht Wochen auf Judo zu verzichten - das ist schon schlimm genug", wehrt er sich energisch gegen solche Gedanken.

Quelle: www.lzsport.de